Ein Erfahrungsbericht über den Renault ZOE
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Gedanken zum Elektroauto und Erfahrungsbericht mit dem Renault ZOE (Bj. 2021)

Nun war es soweit, im Mai 2021 habe ich mir ein Elektroauto angeschafft. Es ist eine Leasingwagen geworden, und zwar ein ZOE von Renault. Nach ca. 17 Jahren war der alte Diesel zwar noch ganz o.k., aber ich wollte die Erfahrung mit einem E-Auto einfach mal machen. Deshalb habe ich mir auch den Wagen nicht gekauft, sondern für 4 Jahre geleast. So kann ich testen, ob der Wagen meinen Bedürfnissen und Ansprüchen genügt, ob das mit dem Laden gut und problemlos funktioniert, kurz, ob er für mich alltagstauglich ist. Um es vorweg zu nehmen - für mich ist der Wagen (nach mehr als einem Jahr) alltagstauglich. Ich fahre ihn praktisch nur in der Stadt oder stadtnähe, große Strecken plane ich mit dem Wagen nicht (ich bin da auch gebunden an die max. 7500 km pro Jahr des Leasingvertrags). Der Stromverbrauch ist natürlich gestiegen, aber dafür spart man sich das Tanken an der Tankstelle (spart auch ein wenig Zeit). Die Ladesäulen sind hier in meiner Umgebung ausreichend vorhanden, so dass ich auch da gut ausgestattet bin. Allerdings lade ich überwiegend zu Hause, da ich mir hier die Möglichkeit in Form einer Ladesäule geschaffen habe.

                          

Über das Fahren mit einem E-Auto möchte ich nur sagen: Wenn man einmal mit solch einem Wagen gefahren ist, möchte man auch nicht wieder zurück. Und: Menschen, die über E-Autos generell meckern, sind offenbar so ein Auto noch nie gefahren. Und in den letzten 5 Jahren hat sich diesbezüglich auch eine Menge getan (nicht nur bei Tesla). Es ist generell das Anfahren, bei dem das Drehmoment sofort zu spüren ist, die hohe Beschleunigung auch beim ZOE, das (fast) lautlose fahren und stehen an der Ampel, das praktisch nicht bremsen müssen (Stichwort Rekuperation) und natürlich die moderne Technik.

Generell möchte ich mich jedoch nicht der Mainstreammeinung anschließen, die immer wieder behauptet, dass das E-Auto und die E-Mobilität im allgemeinen die Lösung für all unsere Umwelt- und Verkehrsprobleme darstellt. Auch wird immer wieder versucht, den Menschen E-Autos aufzudrängen, was ich persönlich ablehne. Nicht für jeden ist ein E-Auto alltagstauglich wie bei mir. Jeder soll selber entscheiden, was für ein Fortbewegungsmittel man benutzt - vorausgesetzt, man belästigt (weder psychisch* noch physisch) oder verletzt nicht damit andere.

* Eine psychische Verletzung wäre dann gegeben, wenn ein anderer dazu gezwungen wird oder man anderen ein schlechtes Gewissen einredet.

Da die Menschen nun vollkommen unterschiedlich in ihren Lebensläufen, Berufen, Meinungen, Erfahrungen, Talenten usw. sind, macht es überhaupt keinen Sinn, alle über einen Kamm zu scheren und ihnen ein E-Auto, E-Scooter oder andere Elektrofahrzeuge aufzuzwingen oder Autos mit einer andern Antriebsart gar wegnehmen zu wollen (wie das Verbrennerverbot ab 2035).

Manch einer muss aus beruflichen oder anderen Gründen ein großes Auto fahren, andere wiederum steigen auf Busse und Bahnen um, andere wiederum nehmen sich einen Leihwagen, Taxi oder laufen. Das nennt man Diversität. Zwang zu einem der o.g. Verkehrsmittel ist immer die schlechteste Lösung für alle.

Wenn man mit Menschen spricht, die Interesse an einem Elektroauto bekunden, so kommen zunächst die beiden Fragen:  "Wie groß ist die Reichweite des Autos?" und "Wie soll ich den Wagen aufladen, es gibt so wenig Ladestationen?". Diese Fragen sind berechtigt, wobei ich das Elektroauto eher im städtischen Bereich sehe, so dass hier die max. Reichweite eher nicht so relevant erscheint. Was die Ladeinfrastruktur betrifft so gibt es doch schon sehr viele Ladesäulen, u.a. auch bei Supermärkten und Discountern, wo man sein Auto laden kann. Andere, aber fast genauso wichtige Fragen wie Verbrauch, Wartung, Anschaffungskosten, max. Ladeleistung usw. bleiben meistens außen vor.

Zum Renault ZOE

Der Renault ZOE war (oder ist?) das erste serienreife E-Auto (nach dem EV1 Desaster 1995 in den USA), welches offiziell 2013 vorgestellt wurde und sich auch etabliert hat. Der Akku war zu dieser Zeit mit 22 kWh ziemlich klein, so dass der Wagen mit einer Reichweite von ca. 200 km nicht gerade beeindruckte (zum Vergleich: EV1, 1995, ca. 150 km). Die Kapazität hat sich aber zu den heutigen ZOEs jedoch verdoppelt (41-52 kWh). Mit dieser Akkukapazität kommt man im Sommer ca. 380 km  und im Winter ca. 250 km weit.

Optisch und technisch wurde seit 2019 eine Menge verändert, man kann das an der Frontpartie (u.a. LED Scheinwerfer) aber auch Innern an der Instrumententafel sehen. Der Wagen macht damit einen fortschrittlichen und ausgereiften Eindruck.

         Ladebuchse vorne (oben AC, unten DC)             Instrumententafel - Überblick

              Frontpartie mit LED Scheiwerfern

Das Laden an der Vordeseite finde ich besonders vorteilhaft. Warum andere Hersteller nach wie vor hinten links oder rechts den Anschluss für das Ladekabel gelegt haben, erschließt sich mir nicht. Wenn man an eine Ladesäule fährt ist es am einfachsten, den Ladeanschluss im Frontbereich zu haben, sonst muss man den Wagen ggf. rückwärts an die Säule fahren, wenn das Kabel nicht lang genug ist. Die Ladeleistung beträgt, je nach Ausstattung 22kW (AC) bzw. auch 50kW (DC). Bei meinem Wagen kann ich nur mit max. 22kW (AC) laden. Während ich die Frontpartie im allgemeinen sehr gelungen finde ist das Heck nicht so nach meinem Geschmack. Gerade die herausstehenden Rücklichter sehen eher komisch aus. Aber hier muss man eben Kompromisse eingehen oder sich ein anderes E-Auto einmal anschauen (Für mich wäre auch  der E-Corsa oder Peugeot E-308 interessant).

Was am ZOE verbesserungswürdig ist

Es gibt kaum Dinge, die mich an diesem Wagen wirklich stören. Allerdings sind es drei Sachen, an die Renault sich noch einmal heranwagen sollte.

1) Innenspiegel, "dicker Klotz" für die Kamera zur Schildererkennung (Geschwindigkeit): Hier sollte unbedingt nachgearbeitet werden, das Sichtfeld wird, wenn man z.B. an einer Ampel steht, sehr stark beeinträchtigt.

2) Gummilippen oben an den Türen: Im Herbst fallen die Blätter durch die Schlitze an den Türen oben. Nach dem Öffen der Tür fallen die Blätter auf die Sitze, was nicht schön ist.

3) Die Bedienung des Displays kann verbessert werden, es ist teilweise nicht sehr übersichtlich gestaltet. Dabei können ggf. auch einige Softwarebugs (s.u.) bereinigt werden.

Klotz am Rückspiegel   Gummilippe oben

Software Bugs am Zoe

Seltsamer Weise bin ich auf einige offensichtliche Bugs in der Software gestoßen, die mich etwas verwundert haben.

1) Reifendruckanzeige: Nach dem Aufpumpen der Vorderreifen habe ich festgestellt, dass die Anzeige im Display falsch herum ist, d.h. der Messwert der Hinter- und Vorderreifen war vertauscht. Leider habe ich dazu kein Foto gemacht, der Fehler trat auch nur einmal auf. Nachdem ich das Auto später abstellte und am nächsten Tag losgefahren bin, war der Fehler nicht mehr vorhanden.

2) Es gab (auch nur 1x) den Fehler, dass das Display während der Fahrt "unscharf" wurde, warum auch immer, nach erneutem Starten war auch hier der Fehler weg.

3) Die Uhrzeit im Display stellt sich nicht automatisch auf Sommer- oder Winterzeit um, auch wenn das eingestellt ist.

4) Wenn man langsam fährt (z.B. auf eine Einfahrt zu) und sich dann abschnallt (sollte man nicht machen, ich weiß...), dann wird die Handbremse angezogen! Das darf m.E. niemals sein. Oder gibt es einen Grund dafür?

Verbrauch und verschiedene Berechnungen (im Gegensatz zu einem Verbrenner)

Ich habe es mir angewöhnt, den Verbrauch und auch die gefahrenen km zu notieren (Excelsheet) um sicher zu stellen, dass ich die max. Laufleistung des Leasingvertrages (7500 km / Jahr) einhalte. Hier ein Ausschnitt aus diesem Excelsheet:

Tabelle Ladevorgänge

Zunächst notiere ich vor jedem Ladevorgang (zu Hause) die km, die Kapazität (in%) des Akkus sowie den aktuellen Stand des Stromzählers. Nach beendeter Ladung auf 100% notiere den Stand des Stromzählers und kann somit den Verbrauch in KWh / 100 km berechnen (also nicht Liter / 100km). Bei dieser Berechnung sind auch die Ladeverluste, d.h. die Verluste zwischen Stromzähler und Auto mit dabei. Das bedeutet, dass man hier die genauen Kosten dann auch berechnen kann. Beispiel: kWh derzeit 0,35 €, also z.B. am 07.08.2022: Kosten für 100km: 5,82 €. Man kann nun den Vergleich mit dem derzeitigen Benzin / Dieselpreis und den Verbrauch mit einem Verbrenner durchführen.

Bei Zwischenladungen am Supermarkt, wo man ggf. nicht auf 100% laden kann, notiere ich die Parameter ebenfalls und rechne sie dann später in einer 100% Ladung mit ein.

Handhabung und Planung, Ladezyklen, Ladedauer

Generell ist die Handhabung und Planung für das Fahren mit einem E-Auto etwas anders als bei einem Verbrenner, aber an sich ist das keine große Umstellung und man gewöhnt sich dran. Aber wozu planen? Der Grund liegt in der Sicherheit, dass man mit der aktuellen Akkuladung sein Ziel am Tag immer erreicht und wieder zurückfahren kann. Wenn man also mit der aktuellen Akkuladung nur noch 30 km weit kommt und am nächsten Tag aber 60 km vor sich hat, sollte man den Akku an der nächst möglichen Ladestation aufladen. Dies wäre aber sehr kurzfristig gedacht, besser wäre es da, schon etwas mehr im Voraus zu planen. Wenn der Wagen z.B. zu Hause steht und die Akkukapazität 20% beträgt, man aber in den nächsten Tagen einige Steckenkilometer zurück legen wird, so kann man den Wagen durchaus an eine Ladestation anschließen.

Die Anzahl der Ladezyklen für einen Akku im Elektroauto beträgt zwischen 1000 und 1500. Danach besitzt der Akku eine Kapazität von ca. 80 % und kann für andere Zwecke weiter vewendet oder mit frischen Zellen bestückt werden. Bei der Annahme, dass man mit einer vollen Akkuladung beim ZOE im Durchschnitt 300 km (52 kWh Akku) weit kommt, wären das also 300 000 km, die man mit dem Wagen fahren könnte. Bei einer Fahrleistung von 15 000 km pro Jahr (bei meinem Leasingwagen sind es 7500 km) ist der Wagen dann also 20 (bei mir wären es dann 40 Jahre) Jahre alt. Und wie sieht der Wagen (technisch, optisch) nach 20 Jahren dann aus ... ? Und will man dann noch ein 20 Jahre altes Auto fahren ... ? Man erkennt, dass die Lebensdauer des Akkus sehr groß ist und dass man sich über einen Verschleiß praktisch keine Gadanken machen muss.

Ausgehend von eim 52kWh Akku und einer Ladestation, die mit einer Ladeleistung von 22kW laden kann, wäre der Akku also in (gut aufgerundet) 2,5h voll geladen, bei einer Ladeleistung von 11kW wären das also 5 Stunden. Dies entspricht auch meinen Erfahrungswerten.

Ladestation zu Hause

Für den Aufbau und die Installation einer Ladestation zu Hause sind einige Dinge zu bescheachten. Die Montage aller elektrischen Teile wie Hauptschalter, FI-Schutzschalter, die zu verlegende Leitung und der Anschluss der Ladestation sollten von einem Elektriker durchgeführt werden, der im Anschluss die elektrischen Verbindungen überprüft.

Die Montage einer sogenannten "Wallbox" kann entweder an einer Hauswand oder ouf einer Stehle erfolgen. Für welche Variante man sich entscheidet hängt von den eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten ab. Die Station sollte nicht direkt der Witterung ausgesetzt werden (nicht in der Sonne oder im Regen stehen) sondern abgedeckt oder gar verschlossen in einem Kasten verbaut werden. Die Anschlusskabel sind entsprechend der Ladeleistung und der Länge zum Verteilerkasten im Haus zu wählen. Für die 11kW Wallbox, die ich installiert habe, ist eine 5-adrige, 4mm² Gummileitung in der Erde verlegt worden. Bei einer größeren Ladeleistung sind entsprechend größere Querschnitte erfoderlich (Entsprechende Seiten gibt es im Internet). Hier sollte man in keinem Fall geizen sondern eher sehr großzügig sein, damit die Ladeverluste und damit auch die Erwärmung der Leitung nicht zu hoch werden. Nicht zu vergessen ist auch die Erlaubnis, z.B. bei Mehrfamilienhäusern, von der Verwaltung einzuholen, solch eine Station installieren zu dürfen. Im Netz finden sich weitere Information zu den technischen Ausführungen und Herstellern von Ladestationen.

Fazit

Mit dem Wagen bin ich bisher sehr zufrieden, auch wenn es hier und da einige Verbessungen geben sollte. Jeder sollte, sofern es ein ernsthaftes Interesse gibt, mit dem einen oder anderen E-Auto eine Probefahrt machen. Nur so kann man herausfinden, ob so ein Auto für einen etwas ist. Zwänge oder Verbote beim Thema Mobilität sind generell falsch.

(c) Bernd Redemann, November 2022

 

Letzte Bearbeitung: 11.03.2023, 12:27
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